Vapes und Tabakerhitzer werden häufig in einen Topf geworfen. Tatsächlich haben beide Produktgruppen einige Gemeinsamkeiten: Sie funktionieren elektronisch, erzeugen ein Aerosol zur Inhalation und sind in Varianten mit Nikotin erhältlich. Technisch unterscheiden sie sich jedoch grundlegend. Während eine Vape ein Liquid erhitzt, arbeiten Tabakerhitzer wie IQOS mit echtem Tabak. Diese unterschiedliche Funktionsweise wirkt sich auf die aufgenommenen Stoffe, die Nikotinaufnahme und die verfügbaren Aromen aus.
Liquid verdampfen oder Tabak erhitzen?
Bei einer Vape wird ein E-Liquid mithilfe einer elektrisch betriebenen Coil erhitzt. Dabei entsteht ein Aerosol, das inhaliert wird. Das Liquid selbst enthält keinen Tabak. Typische Bestandteile sind Propylenglykol (PG), pflanzliches Glycerin (VG), Aromastoffe und – bei nikotinhaltigen Varianten – Nikotin.
Dieses Grundprinzip gilt für unterschiedliche Vape-Systeme. Bei der Elfbar ELFA mit befüllbarem Pod kann der Pod zum Beispiel mit einem geeigneten E-Liquid befüllt werden. Eine Mesh-Coil übernimmt anschliessend das Erhitzen. Beim einem Produkt wie dem Sikary S10000 kommt dagegen ein bereits mit Liquid befülltes Pod- und Nachfüllsystem zum Einsatz. Das Liquid muss hier nicht selbst eingefüllt werden.
Ein Tabakerhitzer wie IQOS ILUMA mit TEREA Sticks funktioniert anders. Im TEREA Stick befindet sich echter Tabak. Bei IQOS ILUMA wird ein Metallelement innerhalb des Sticks mittels Induktion erhitzt. Der Tabak wird dadurch erhitzt, anstatt wie bei einer klassischen Zigarette verbrannt zu werden.
Welche Stoffe werden aufgenommen?
Durch die unterschiedlichen Ausgangsprodukte unterscheidet sich auch die Zusammensetzung der Aerosole. Beim Vapen stammen deren Bestandteile aus dem verwendeten E-Liquid. Neben PG, VG, Aromastoffen und gegebenenfalls Nikotin können beim Erhitzen weitere chemische Verbindungen entstehen.
Bei Tabakerhitzern entsteht das Aerosol dagegen durch das Erhitzen von Tabak. Entsprechend enthält es Nikotin und verschiedene weitere Substanzen, die aus dem Tabak beziehungsweise durch dessen Erhitzung freigesetzt werden.
Wichtig ist dabei: Ein Aerosol ist nicht einfach Wasserdampf. Sowohl beim Vapen als auch beim Tabakerhitzen werden verschiedene Stoffe inhaliert.
Wie unterscheidet sich die Nikotinaufnahme?
Bei Vapes ist die Nikotinkonzentration in der Schweiz gesetzlich begrenzt: Nikotinhaltige E-Liquids dürfen maximal 20 mg Nikotin pro Milliliter enthalten. Neben Liquids und Pods, die diese Obergrenze nutzen, sind auch deutlich niedrigere Nikotinstärken sowie nikotinfreie Liquids erhältlich.
Die Angabe von beispielsweise 20 mg/ml lässt sich jedoch nicht direkt mit der Nikotinmenge eines TEREA Sticks vergleichen. Sie beschreibt zunächst lediglich die Konzentration im Liquid und nicht die Menge an Nikotin, die tatsächlich in den Körper gelangt.
Beim Vapen hängt die effektive Nikotinaufnahme unter anderem von der Nikotinkonzentration und -formulierung, dem verwendeten Gerät und dem individuellen Zugverhalten ab. Auch bei Tabakerhitzern beeinflusst die Nutzung die tatsächlich aufgenommene Nikotinmenge.
Wie gross ist die Auswahl bei den Aromen?
Ein besonders sichtbarer Unterschied liegt in der Aromavielfalt. Bei Tabakerhitzern ist die Auswahl an die für das jeweilige System erhältlichen Tabaksticks gebunden. Für IQOS ILUMA stehen beispielsweise unterschiedliche TEREA Varianten zur Verfügung.
Bei Vapes ist die Auswahl wesentlich grösser. E-Liquids werden in zahlreichen Geschmacksrichtungen angeboten. Dazu gehören beispielsweise Frucht-, Beeren-, Getränke-, Dessert-, Menthol- und Tabakaromen sowie Kombinationen verschiedener Geschmacksrichtungen.
Bei einem nachfüllbaren System wie der Elfbar ELFA bestimmt das gewählte Liquid den Geschmack. Bei einem vorgefüllten System wie dem Sikary S10000 entscheidet dagegen die gewählte Pod-Variante. Dadurch unterscheiden sich auch Vape-Systeme untereinander hinsichtlich der möglichen Aromenauswahl.
Was weiss man über die gesundheitlichen Unterschiede?
Sowohl Vapes als auch Tabakerhitzer sind nicht risikofrei. Wie gross die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den beiden Produktgruppen langfristig tatsächlich sind, lässt sich derzeit allerdings noch nicht zuverlässig beziffern. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass entsprechende Produkte noch nicht lange genug verbreitet sind, um gesundheitliche Folgen über mehrere Jahrzehnte ähnlich gut untersuchen zu können wie bei klassischen Zigaretten.
Wie schwierig eine eindeutige Bewertung sein kann, zeigt eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Tabakerhitzern. Die Forschenden werteten 40 klinische Studien aus, in denen Tabakerhitzer unter anderem mit klassischen Zigaretten, E-Zigaretten oder dem Verzicht auf Tabak- und Nikotinprodukte verglichen wurden.
Dabei zeigte sich eine wichtige Einschränkung der vorhandenen Daten: Lediglich neun der 40 untersuchten Studien dauerten länger als fünf Tage. Zudem waren 29 der eingeschlossenen Studien mit der Tabakindustrie verbunden.
Eine solche Verbindung bedeutet nicht automatisch, dass die Ergebnisse einer Studie falsch oder unzuverlässig sind. Mögliche Interessenkonflikte und die teilweise sehr kurze Studiendauer sind jedoch wichtige Faktoren bei der Bewertung der wissenschaftlichen Evidenz. Die Autoren der Übersichtsarbeit kamen entsprechend zum Schluss, dass die derzeit verfügbaren klinischen Daten keine eindeutige Aussage darüber ermöglichen, ob Tabakerhitzer das Risiko für tabakbedingte Erkrankungen tatsächlich reduzieren.
Zwei unterschiedliche Konzepte
Vapes und Tabakerhitzer verfolgen letztlich zwei grundlegend unterschiedliche technische Ansätze: Vapes erhitzen ein Liquid, während Geräte wie IQOS Tabak erhitzen. Daraus ergeben sich Unterschiede bei den inhalierten Stoffen, der Auswahl an Geschmacksrichtungen und den Möglichkeiten bei der Nikotinstärke.
Bei der gesundheitlichen Bewertung ist die Situation komplexer. Es liegen bereits zahlreiche Untersuchungen zu beiden Produktgruppen vor, gleichzeitig fehlen aber noch Langzeitdaten über mehrere Jahrzehnte. Gerade deshalb lohnt es sich, bei Vergleichen zwischen Vapes und Tabakerhitzern nicht nur einzelne Zahlen oder Studien zu betrachten, sondern auch deren Studiendauer, Methodik und mögliche Interessenkonflikte zu berücksichtigen.




